Erste Dresa-Prag-Sippung im November 2017

Ein Beitrag aus dem LandesEcho 11-2017 von TOMÁŠ RANDÝSEK

Sippung nennen die Mitglieder des 1859 in Prag gegründeten und heute weltweit anzutreffenden deutschsprachigen Vereins Schlaraffia ihre Sitzungen. Gesippt wurde am Gründungsort Prag jedoch schon lange nicht mehr. Der Verein, der sich die Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor zum Ziel gesetzt hat und schon von Anfang an Vereinsmeierei parodierte, war totalitären Regimen stets ein Dorn im Auge, Verbote waren die Folge. So gedieh das Schlaraffentum lange Zeit nur außerhalb seiner Stammlande.

1. Dresa-Prag-Sippung

Umso triumphaler planten die „Reyche“ Dresa Florentis und Castellum Misena, wie die Vereine in Dresden und Meißen bei den Schlaraffen heißen, ihre erste gemeinsame Sippung Ende November in Prag. Unweit des Gründungsortes der Schlaraffia, der sich – vielleicht nicht ganz überraschend – in einer Prager Kneipe befindet, kamen die Sassen im Goethe-Institut zusammen. Unter dem wachsamen Auge ihres hölzernen Wappentieres, des Uhus, zelebrierten die Herren in vollem Ornat ihre 703. Sippung mit Blick auf die Prager Burg.

Neu beigetretene Knappen, fortgeschrittene Junker und langgediente Ritter folgten auch in Prag dem althergebrachten Ablauf einer Sippung. Nach der Begrüßungshymne, dem Einritt der Gäste durch ein Ehrenspalier und dem Entzünden der blauen Kerze der Freundschaft folgten diverse „Ambtshandlungen“
und „Fechsungen“, unterbrochen von einer ebenso traditionellen Pause für das leibliche Wohl.

1. Dresa-Prag-Sippung

Im Publikum folgten ein paar Schaulustige mit neugierigem Interesse und großer Belustigung den Ritualen. Darunter auch eine junge Dame, die die Schlaraffia wissenschaftlich für ihre Bachelorarbeit untersucht. Im Goethe-Institut, das sonst eigentlich eher das Hochdeutsche vermittelt, empfing man sie nun mit begeistertem „Lulu“ und bot ihr alle erdenkliche Hilfe bei ihrem Vorhaben an – auch wenn sie kein Deutsch spricht und die Schlaraffen nur Männer aufnehmen.

Die Ritter berichteten im Laufe der Sippung von ihren Reisen zu Reychen nah und fern und von ihren Heldentaten im Namen des Schlaraffentums. Unter anderem erfuhren die Anwesenden so von einem gerade erst aufgetauchten Artefakt aus den Gründungsjahren. Bei einer Internet-Versteigerung konnte ein 130 Jahre alter Schlaraffen-Pass aus Prag erworben werden. Auch eine offizielle Gedenktafel erinnert nun in der Gründungswirtschaft an die Geschichte der
Schlaraffia. Langsam schließen sich so die Kreise – eines fehlt aber noch zum Schlaraffenglück: Ein neues Reych Praga.

TOMÁŠ RANDÝSEK

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Quelle Bilder: LandesEcho