Aus der Ritterarbeit des Junker Pierre der hohen Rio Carioca 331, jetzt Ritter B(r)asilik - gegeben zum 3. im Herbstmond a. U. 160

Ein kurzer Reiseführer für Schlaraffen

zur Einführung

Freund’s Restaurant – U Purkmistra
Stefansgass, das Tore da
Zeugnis von Allmutter Praga
Gab’s an Orten denn nicht noch mehr.
An denen die Sassen fechsten so sehr?

Die Suche in ehemaligen Zeyttungen und Zeyttschriften (ANNO / Oesterreichische Nationalbibliothek, und Google) war erfolgreich.

Chronologie der Burgen

1859 Freund’s Restauration

1859-1862 Zum Hopfenstock,

1863 Deutsches Casino

1867 Koppmannia, Neustädter Theater Restaurant

1869 Koppmannia, Neustädter Theater Restaurant

1871 Koppmannia

1872 Koppmannia, Neustädter Theater Restaurant

1874 Libalia

1875 Neustädter Theater Restauration

1876-1877 Libalia

1877-1897 Deutsches Haus / Casino

1898-1939 Neue Teutoburg - Stefansgasse 

 

Im Folgenden werden die identifizierten Burgen anhand der alten Daten sowie aktuellen Standorten in einem ersten, kleinen Reiseführer für interessierte Schlaraffen vorgestellt. Dabei werden auch das Gründungslokal, der Sofienpalast (in dem die berühmten Narrenabende stattfanden), die beiden Friedhöfe sowie die spanische und die Pinkas Synagoge berücksichtigt.


Freund’s Restauration - U Purkmistra
Ecke Palacky / Wassergasse - Ecke Palackeho / Vodickova

Gaststätte ‘Freund’ die diente da
Zur Gründung der Schlaraffia
Die Gschicht uns zeigt der Praga-Rt Schmisso
Geschrieben in der ‘Bohemia’-Zeyttungen so

Proletarier ! Empört über diese Beleidigung traten Thomé und die Mitglieder seines Theaters aus [der Arcadia] und verlegten ihre lustige Tafelrunde in jenes Alt-Prager Gasthaus [Freund’s Restauration]. Stolz nannten sie sich nun Proletarier. In einem verschollenen [wieder entdeckten] Liede aus den “Schlaraffiaklängen” des “Grafen Gleichen”, des damaligen Bassproletariers und späteren Hofopernsängers Albert Eilers, im “Proletarierquartett”, wird ihrer eine lange Reihe mit schmückenden und bezeichnenden Beiworten aufgezählt. Bald wurde die tolle Runde ein Anziehungspunkt verwandter Geister, die sich dort allmitternächtlich zu fröhlichem Tun versammelten und der hohlen Wirklichkeit im Zerrspiegel spotteten. Schneller Ulk wurde im Possenspiel festgehalten. Sptitznamen, Zeremonien, Würden entstanden, hafteten und blüten. Auf diesem Schaukelboden des Humors gründete Eilers, der verbummelte Leipziger Student und treffliche Musikant, ein fideles Haus und ein idealer Mensch, am 10. Oltober 1959 einen Bund der Freundschaft und der Freude: “Die Schlaraffia”. (Bohemia 9.3.1918)

Freund’s Restauration
Freund’s Restauration

 

Restaurant U Purkmistra - Ecke Palackeho / Vodickova
Restaurant U Purkmistra - Ecke Palackeho / Vodickova

Zum Hopfenstock – die erste Burg
Wassergasse 674 (1859-1862), Brokoff-Portal, Navratilova 674 / 2

“Ein Rittertum des Geistes entstand, vom Witz geadelt, in seiner Narrenrüstung mit dem
Glöcklein am Helme und dem hölzernen Gewaffen.
Humor umgoldete die Zinnen der ersten “Burg”, die sich in Prag im Gasthause beim “Hopfenstock” erhob.” (Rt Schmisso)

Unsere Stadt wird jetzt zwei Künstlergesellschaften besitzen, deren Abgang bisher fühlbar war. Die eine heisst “Arcadia” und wird sich bald nach Neujahr aus den Capacitäten der Wissenschaft, Literatur und Kunst constituieren, jedoch auch Dilettanten so wie Kunstfreunden offen sein. Die zweite heisst “Schlaraffia”, sie ist vorwiegend scherzhafter Tendenz und grösstentheils aus Bühnenmitgliedern bestehend. Die letztere Gesellschaft feierte Samstag recht vergnügt und anregend Beethoven’s Gedächtnistag. (Der Zwischenakt 30.12.1859)

Schon exisitieren die “Arcadia” und die “Schlaraffia” da, zwei Gesellschaften, viel genannt in letzter Zeit. Die “Arcadia” hält, insolange ihre Statuten noch nicht obrigkeitlich bestätigt sind, ihre privaten Conventikel vorerst im “schwarzen Ross”. Dort sitzen jeden Mittwoch zwei Dutzend Literaten, Musiker, Maler und Schauspieler beisammen und suchen sich beim Pilsener Bier die Zeit, so gut es eben geht, zu vertreiben. Jnnerlich beneiden sie die glücklichen Schlaraffen, deren Statuten einen einzigen Paragraphen haben, der só lautet: Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.

Bei den Conventikeln der “Schlaraffia” bilden Frauen eine reizende Staffage; sie sind kein Hinderniss für die Schlaraffen, an ihrem den Rittern der alten Wiener Lulmanshöhle abgelernten Motto: kein vernünftiges Wort zu sprechen, festzuhalten. Die “Schlaraffia”, die “weinliebende”, tagt oder nachtet vielmehr im “Hopfenstock”, hat sich also direkt unter den Schutz des Königs Gambrinus gestellt. (Die Presse 22.2.1860)

Portal des (ursprünglichen) Hauses 'Zum Hopfenstock'.
Portal des (ursprünglichen) Hauses 'Zum Hopfenstock'.
Portal des Hauses “Zun Hopfenstock”. Gesamtkomposition
Portal des Hauses “Zun Hopfenstock”. Gesamtkomposition

Portal des Hauses “Zun Hopfenstock”. Gesamtkomposition, architektonische und ornamentale Teile von Johann Brokoff (Vater), die figuralen Teile von Ferdinand (Sohn). Sandstein, stark mit Ölfarbe überstrichen. Unter dem Schluss-Stein der Türöffnung: ‘1710 Joan. Brokoff fecit’

Die erste Burg 'Zum Hopfenstock'
Die erste Burg 'Zum Hopfenstock'

 

Die erste Burg “Zum Hopfenstock”
Ne Wohnung dort in einem Stock
Für Allschlaraffia wär doch schön
Den Ort zu zeigen mit viel Tön

Wer wird der glückliche Sasse sein, der als Erster, wie damals unsere Praga-Altvorderen, über die Schwelle dieses prächtigen Portals schreitet?

Das Brokoff-Haus in Prag
Das Brokoff-Haus in Prag

Das Brokoff-Haus in Prag, Ecke Wassergasse und Hopfenstockgasse, mit seinem berühmt schönen Steinportal, wird eingerissen. An seine Stelle erhebt sich bereits, allerdings in verbreiteter Strassenlinie, ein Neubau. Das Portal Brokoff’s, über den der im Krieg verstorbene Prager Kunsthistoriker Oskar Pollak, zuletzt Dozent an der Wiener Universität, eine reich-illustrierte Monographie verfasst hat, bleibt erhalten und wird zurückverlegt, um dem neuen Hause einverleibt zu werden. Von Brokoff stammt bekanntlich ein Teil der Statuen auf der Prager Karlsbrücke, dann das Negerportal in der Nerudagassse auf der Kleinseite und viele andere Bauten in Prag und auf dem böhmischen Lande. (Prager Abendblatt 25.9.1928)


Burg Koppmannia Restaurant Koppmann’scher Garten / Kopmanka
Tempelgasse 649 (1867, 1869, 1871-1872, 1875)
Semplice – Templova ulice 6 

Die Praga Burg Koppmannia
Koppmann’scher Garten, dort oh ja
Sie dient’ verschied’ne Jahrungen
Zu kunterbunten Sippungen

Die Praga Burg Koppmannia
Wo die Praga Burg Koppmannia sich befand

 


Neustädter Theater-Restauration neben dem Neustädter Theater
(1867, 1869, 1872)
lag Nähe der heutigen Staatsoper, Statni opera, Wilsonova 4

Die Neustädter Theater Restauration
Wo Schlaraffia auch sippte schon
Steht neben dem Theater aus Holz
Gebaut von Franz Thomé, unser Stolz

Die Neustädter Theater Restauration
Die Neustädter Theater Restauration
Neustädter Theater - Neues Deutsches Theater – Tschechische Staatsoper
Neustädter Theater - Neues Deutsches Theater – Tschechische Staatsoper

Abschied von Franz Thomé in der Neustädter Theaterrestauration

Die Lokalitäten dee Neustädter Theaterrstauration in Prag waren am verflossenen Samstag Abends in einen mit den Emblemen der “Schlaraffia” (des Prager Künstlervereines) im Ritterstyle dekorirten Saal umwandelt. Um die zehnte Abendstunde schritten ernst und feierlich alle Schlaraffen des Reiches in den Saal und stellten sich schweigend im Halbkreise auf. Es ging eine Abschiedsfeier vor sich, die des Oberschlaraffen Hrn. Franz Thomé (Derselbe geht bekanntlich nach Linz um die dortige Theaterdirektion zu übernehmen). Von Nah und Fern waren die Schlaraffen herbeigekommen, vollzählig standen sie da und harrten bis der Oberschlaraffe erscheinen werde. Nach den dem großen Momente entsprechenden Vorbereitungen trat derselbe unter Vorantritt des Zeremonienmeisters (Hrn. Hassel) in den Saal, ward mit dem Mantel bekleidet und ihm das Schwert umgürtet. Die “Lulurufe” ertönten, drein schmetterten die Trompeten und der Oberschlaraffe liess sich am Throne nieder. Jetzt ziehen die Schlaraffen in Reihen vor dem Throne vorüber, ein Posaunenstoss lässt sich schwer und ernst vernehmen. Ein Schlaraffen-Würdenträger (Hr Hallenstein) tritt vor und spricht eine “rührende” Rede, dann überreicht er dem Oberschlaraffen zum Andenken eine Säule von getriebenem Silber mit einer Kugel gekrönt, auf der das Symbol der Schlaraffia, ein Uhu, sitzt. Die Widmung wird von einem auf einer Säulenstufe ruhenden Schilde getragen. Mit erhobener Stimme wird dann die Urkunde verlesen, kraft welcher Franz Thomé Oberschlaraffe bleibt für ewige Zeiten, und dann wird ihm das prachtvolle ausgestattete Diplom überreicht. Der Oberschlaraffe spricht “tief ergriffen” Worte des Dankes, hierauf ertönt der Festgesang (Eine prächtige Komposition des Hrn. Kapellmeisters Slansky). Der helle Morgen kam noch zu recht, um Zeuge zu sein, wie ein Oberschlaraffe von seinem Schlaraffenvolke scheidet. (Fremden-Blatt 31.7.1867)

Dem Beispiele des deutschen Casinos, …, folgend, werden auch die Mitglieder der “Schlaraffia” den armen Abbrändlern eine Unterstützung zukommen lassen, indem sie auf Veranlassung des Hrn Eichler auf ihrer Kegelbahn im Neustädter Theatergarten ein Lageschieben veranstalten, dessen Ertrag den verunglückten Bewohnern von Fribus zu Gute kommen soll. (Deutsche Volkszeitung 3.9.1869) 

Die Vorstellung der Schlaraffia für die Überschwemmten ist definitiv auf den 7. Juli angesetzt. Nebstdem, dass in dieser Vorstellung der berühmte Zeichner Klitsch sein Konzertzeichnen, das in Wien so viel Aufsehen macht, produzieren wird, tritt Hr. Hallenstein in dem Lustspiele “Jm Wartesaal erster Klasse” auf, während er in einem zweiten Lustspiele mit Frau Seitler-Münzberg spielen dürfte. Den Billeteur- und Kassadienst werden die Schlaraffen selbst versehen und zwar in ihren drolligen Schlaraffenkostüme. (Prager Abendblatt 22.6.1872)

Das Theater aus Holz wich einem aus Stein
Neu Deutsches Theater musste jetzt sein

Zur Eröffnung dem folgenden Klang die Wahl
Nürnberg’s Meistersänger nach Sachs
Von Ehrenschlaraff Parzivsl

Rittter Ziehrad’s Schauspiel-Karriere begann dort
In der Vindobona lebte er seinem Humor fort

Zuletzt das Gebäud zur Tschechischen Staatsoper wurd
Ein Konzert dort zu 135 Jahrungen Allmutters Geburt


Burg Libalia - Libal’s Restaurazion
Ferdinandstrasse 20 (1874-1877)
Cojový trámek Tea und Reduta Jazz Club
Národní trída 20

Libalia, auch hier man in nem Gasthaus sass
Libal’s Restaurazion an der Ferdinand Strass
Direkt neben dem späteren Café Louvre, da wo
Kafka mit Schulfreund Kisch und Wiener labte so
Auch dem Ehrenschlaraff Relativ
War dieses Lokal gar nicht primitiv

Burg Libalia - Libal’s Restaurazion Ferdinandstrasse 20
Burg Libalia - Libal’s Restaurazion Ferdinandstrasse 20

Herrn Eichenwald [1827-1910] gab die Schlaraffia, deren Oberschlaraffe der scheidende Künstler seit dem Abgange des Herrn Hallenstein war, ein glänzendes Abschiedsfest und spendete ihm zum Andenken einen kostbaren Ring, dessen Edelsteine aus den Farben der Schlaraffia zusammengesetzt erscheinen. Montag eröffnet Herr Eichenwald ein Gastspiel in Marienbad. (Prager Abendblatt 27.5.1876)

Während Burgfrau geniesst den Thee
Der Ritter schon ist im Jazz Club, juhee
Wer diesen Klang ebenfalls oft hören mag
YouTube - Reduta J.C. und schon ist man in Prag


Teutoburg - Deutsches Casino – Deutsches Haus
am Graben 36 (1863, 1877-1897)
Slowansky dum, Na Priskope 36

Vom Wirtshaus in einen Casino-Raum
Man blieb hier länger, man glaubt es kaum
Sippungen, Damenabend und Theater man gab
Das Vermieten hielt den Reichsschatz auf Trab

Deutsches Haus, Prag
Deutsches Haus, Prag

Ein Fest der “Praga” in der Jahrung 1877 im deutschen Casino

Schlaraffen-Turney. Jn dem festlich geschmückten “Marmelsaal” des deutschen Casinos, der in einen veritablen Feenpalast umgewandelt war, fand in der vorgestrigen Nacht eine pompöse Schlaraffen-Turney statt. Ein “riesiger Damenflor” war zur Verschönerung des heiteren Festes erschienen. Dr. Schmeykal und Gemahlin, ebenso Director Kreibig und Frau wurden bei ihrem Erscheinen mit einem weithin tönenden Tusch empfangen. Mit dem Glockenschlage 11 setzte sich ein mächtiger Zug unter dem Vorantritt des Herolds, des Ceremonienmeisters Ritter Fridolin (Geiger) nach der Säulenhalle in Bewegung. Der Oberschlaraffe “Rapp“ [Ritter Raps der Grosse, Urschlaraffe Edmund Eichler] eröffnete die “Sippung” unter den herkömmlichen Ceremonien. Dann begannen die künstlerischen Productionen. Als erste Piece wurden die “drei Zwillinge” vom Ritter Carolus, Ritter Tubius und Ritter Giftmischer meisterhaft vorgetragen. Dem schloss sich ein Quartett der “Tiroler Sänger” an, welches Ritter Heckerl (Puls), Carolus Tubius (Spitra) und der “junge Karliezel” (Schlesinger) echt künstlerisch zu Gehör brachten.

Die edlen Gebirgsjäger accompagnirten auf Holz- und Strohinstrumenten ein Zitterschläger und Ritter “Wullemweber”. Nun kam die mit Spannung erwartete grosse romantische Oper “Francesca da Rimini”, componirt von “Conradi, dirigirt und einstudirt von Ritter Ohm (Carmasini). Die Darsteller dieses Tonstücks (Fr. Storch, Zoder, der profane Tersch, Ritter Rostopschin und Ritter Sindbad) wurden mit Beifall überschüttet. Als sich das Händeklatschen und die Bravorufe nicht legen wollten, kroch aus dem Souftleurkasten Ritter “Sperrsitz” als “Willibald” hervor und verneigte sich huldvollst lächelnd gegen das Auditorium. Um 2 Uhr Früh fand das feierliche “Ringelreihn” im Marmelsaale statt, das bis 5 ½ Uhr dauerte.

Den Reigen der Toaste eröffnete der Oberschlaraffe Hammerstein auf die Damen, Oberschlaraffe Sacuntala erhob das Glas auf das Wohl der Gründer des Reichs der Töchterreiche und auf “Rapp” den Förderer des Reichs. Der Pilgrim Dr. Schmeykal brachte einen Trinkspruch auf die “Schlaraffia” als Verein, der das deutsche Wesen pflegt und hegt. Die “Burgfrau” des Kanzlers “Hutten” dankte für die gastwirthliche Aufnahme der anwesenden Damen und drückte den Wunsch aus, dass der gesellige Damenabend recht bald eine Reprise erfahren möge. “Rapp” erwiederte in gewohnt humoristischer Weise: “Die Worte der wackeren Burgfrau werden gewiss nicht unerhört an unserem Busen abprellen.” (Zeyttung “Bohemia”)

Deutsches Haus Am Graben 36
Deutsches Haus Am Graben 36

 


Neue Teutoburg
Stephansgasse 36 (1898-1939)
Hotel Alcron, Stepanská ulice 36

Nun endlich war es doch so weit
Ein eigne Burg, es war schon Zeit
In Stephansgass man sippte nun
Im Praga-Film, man sieht ihr Tun

Rittersaal Stefansgasse 36
Rittersaal Stefansgasse 36

Sophien-Palast – Sophieninsel
Zofín Palace – Slowansky ostrow

Der Sophien-Palast, Bühne für Werke von Ehrenschlaraffen und Narrenabende der Allmutter Praga

Der alte Saal (der Sofieninsel) in dem Liszt, Wagner, Bülow dirigirten und Tryumphe feierten. (Neue Zeitschrift für Musik 27.6.1888)

Sophien-Palast – Sophieninsel einst
Sophien-Palast – Sophieninsel einst
Sophien-Palast – Sophieninsel
Sophien-Palast – Sophieninsel heute
Sophieninsel alte Karte
Sophieninsel alte Karte

Was zuerst ein schüchterner Versuch, dann vielversprechender Anfang war, ist am Samstage zur vollendeten Thatsache geworden. Der Narrenabend hat die Ehre des “faulen” Faschings von anno 1867 noch vor Thorschluss gerettet, die welt- und zeitennothvergessende Narrheit hat ihren siegreichen Einzug in Prag gehalten! Noch brummt dem Wochenchronisten der Kopf von dem Lärm, der von 8 Uhr Abends bis gegen Morgen die Hallen des Unsinustempels auf der unaussprechlichen Jnsel durchtobte. Aber heiter war es dort drunten, ungeheuer heiter! Die Hunderte von Narren hatten die richtige Faschingsstimmung mitgebracht. Sie waren gekommen, nicht nur um sich unterhalten zu lassen, sondern auch um sich selbst zu unterhalten, und da machte sich dann die Sache ganz von selbst. Ernstes Prag, in welchem, dem Ausspruche gewiegter Kenner zu Folge, der Faschingsunsinn unmöglich gedeihen kann, wo bist du an dem großen Abende geblieben? Wie von bachantischer Lust erfasst tollten sie dahin, deine ernsthaften Söhne! Auf keinem Beglione in Mailand, oder auf dem Gürzenich zu Köln, oder in der Fruchthalle zu Mainz ist es jemals lebhafter zugegangen! Experto crede Ruperlo! Wer den Höllenspektakel des großen Galopps um Mitternacht mit angesehen und mit angehört hat, wird gewiss unser Urtheil bestätigen. Wir müssten nach Quadratschuhen und nicht nach Zeilen schreiben, wollten wir all der Herrlichkeiten nach Gebühr gedenken, die das närrische Herz erfreute. (Prager Abendblatt 4-3-1867)

In der Schlaraffia ist vorgestern Abend der Entwurf des Planes für den diesjährigen Narrenfeldzug vollendet worden. Unfrankierte Sendungen werden noch angenommen und Manuskripte zurückgestellt, wenn deren Einsender kein Narr ist. (Prager Abendblatt 14.1.1868)


Friedhöfe - Synagogen

Lageplan der Grabstätten in Prag
Lageplan der Grabstätten in Prag (aus: Leitfaden zu den schlaraffischen Gedenksrätten in Prag )

 

Das Leichenbegräbnis des Theaterdirektors Franz Thomé fand vorgestern Nachmittag in feierlicher Weise in Prag statt. Vor dem Trauerhause im Neustädter Theatergarten hatten sich die Vertreter des deutschen und czechischen Landestheaters, zahlreiche Künstler eingefunden. Fünf Kränze der“Schlaraffia” schmückten den Leichenwagen, andere, von Korporationen und Freunden des Verstorbenen gespendet, bedeckten den Sarg. Die Chöre beider Landestheater stimmten einen Trauergesang an, während der lange Zug sich in Bewegung setzte. Zunächst dem Leichenwagen schritten Intendant Ritter v. Peche, Direktor Wirsing, die Vorstände der “Schlaraffia”, und Mitglieder des czechischen Theaterdirektoriums, denen sich eine grosse Schaar von Leidtragenden anschloss. Der Zug bewegte sich über die Landstraße bis zum Wolschaner Friedhof, wo unter den Klängen des Chorals: “Es ist bestimmt in Gottes Rath” der Sarg hinabgelassen wurde. Der Jammer der verwaisten Töchter war ergreifend. Eine Grabrede wurde nicht gehalten, obgleich sich ja Manchem Worte der Wehmut und der Anerkennung auf die Lippen gedrängt haben möchten. Ein seltsames Verbot, das nur für Prag Geltung zu haben scheint, lässt den Freund am Grabe des Freundes nicht zu Worte kommen. Das Grab Thomé’s befindet sich knapp neben dem schönen Grabdenkmal Klicpera’s: man hat den Verstorbenen an die Seite seines ehemaligen Lehrers und langjährigen Freundes gebettet. (Fremdenblatt 26.5.1872)

Vom Praga Ritter Potz von Traun (Oskar Wiener), der 1944 im KZ Theresienstadt getötet wurde (ebenso Rt Schmisso – Paul Kisch), findet sich ein Bild im ersten Stock der spanischen Synagoge, gezeichnet von Rt Mezzotinto der Geschabte (Georg Jilovsky), welcher, nach 9 Monaten im KZ Auschwitz für das Geldfälscher-Projekt im KZ Sachsenhausen ausgewählt wurde und mit andern Künstlern überleben konnte.

Namen in Pinkas Synagoge
Namen in Pinkas Synagoge

Wo stehen die Namen der vielen Sassen, Burgfrauen, Burgmaiden, Burgknäpplein und Burgwitwen von Böhmen und Mähren an den Wänden der Pinkas Synagoge?

Gedenket ihnen und zündet eine blaue Kerze an!


Anmerkung von mir: Die Pinkas-Synagoge (tschechisch Pinkasova synagoga) ist eine aus dem beginnenden 16. Jahrhundert stammende profanierte Synagoge in der Široká 3 im Prager Stadtteil Josefstadt. Sie ist dem Alten jüdischen Friedhof benachbart. (aus wikipedia.org)